Raus aus der Routine, rein ins Mikro-Abenteuer!


Wer jeden Tag das Gleiche tut, für den scheint die Zeit gefühlt im Sauseschritt vorbeizurasen. Routine, immer der gleiche Trott und dazu noch Stress und Hektik sind nämlich leider ganz mächtige „Zeitraffer“.

Oder, wie Isabell Winkler von der Technischen Universität Chemnitz es ausdrückt: „Zunehmende Routinen führen zu weniger intensiv und bewusst erlebten Ereignissen oder Handlungen – und damit wird die Dauer als kürzer wahrgenommen.“ *)


Dieser Gedanke kreist heute durch meine Hirnstube, als ich mich durch den allabendlichen Feierabend-Stau gähne. Wie nach jedem Arbeitstag drängt es meinen müden Korpus eigentlich nur noch in die Horizontale.

„Du bist ja schon ein kleiner Schaumschläger, Frollein!“ spöttelt meine innere Stimme mir boshaft ins Ohr. „Predigst den Leuten immer, sie sollen ständig rausgehen und Abenteuer erleben und selbst biste der größte Langweiler unter der Sonne!“

„Aber, aber, aber.. ich bin seit 6 Uhr auf. Und hab‘ den ganzen Tag gerackert und telefoniert und gewuselt und gegrübelt. Ich bin müde. Und leergelabert. Und mein Kopf raucht.“ jammere ich mitleidheischend zurück.

Aber irgendwie hat die innere Stimme schon recht. Wenn ich heute abend wieder nur müd‘ und matt die Couch plattsitze, rutscht mir auch dieser Tag wieder durch die Finger, ohne einen Hauch von Erinnerung zu hinterlassen. Und verblasst in Bedeutungslosigkeit.

Anderseits bin ich viel zu platt für irgendeine Aktivitätenkirmes, und Menschen will ich für heute auch bitteschön keine mehr sehen. Also tausche ich daheim nur flugs die Arbeitsklamotten gegen „Matsch-Couture“, schmiere mir eine dicke Klappstulle und packe den Rest Linsensalat aus dem Kühlschrank in ein Schraubglas. Mikro-Abenteuer ahoi!

Rein in die Wanderschuhe und ab ins Unterholz!

„Aber, aber, aber…es regnet!“
„Du predigst den Leuten doch immer, dass Wandern im Regen auch Spaß macht und so…“
Ja, ja, schon gut. Raus mit mir!

Stoisch stapfe ich mit dem Hundetier im Schlepptau durch den tröpfelndnassen Wald, und mit jedem Schritt durch den matschigen Untergrund scheint ein Stück ‚Arbeitstag‘ aus meiner Hirnstube abzubröckeln und in den Pfützen zu versinken. Die Vögel plärren tapfer auf den feuchten Ästen ein Abendkonzert und das Hundetier prüft das Umfeld akribisch auf „Kann ich das jagen?“ oder „Kann ich mich darin wälzen?“ Nach ein paar Kilometern halte ich Ausschau nach einer tauglichen Location zur Einnahme meines Abendbrots, das schon länger im Rucksack hin und herklirrt. Beherzt ernenne ich eine leicht modrige Schutzhütte zu meinem Restaurant der Wahl und packe meine Fressalien aus.

Nun gut, meine Couch wäre gemütlicher und würde auch ganz sicher nicht dieses leicht müffelige Odeur nach vergammeltem Holz ausströmen – aber irgendwie hat’s auch was, hier auf der knüppelharten Holzbank meine Klappstulle zu mümmeln, während der Regen aufs Dach tropft und das Hundetier nach Mäusen stöbert. Da muss ich meiner inneren Stimme mal ganz herzlich auf die Schulter kloppen, das war keine schlechte Idee.

Sich regen bringt Segen. Da scheint was dran zu sein.

Auf dem pfützenreichen Weg zurück zum Parkplatz spüre ich tatsächlich so ein klitzekleines bisschen Energie und Munterkeit in meinen Hirn- und Körperzellen. Verrückt – wenn ich abends daheim auf der Couch zusammenklappe, werde ich immer nur NOCH müder und gucke oft nach kürzester Zeit schon meine Augenlider von innen an.

Vielleicht liegt es gar nicht unbeding daran, dass wir zuviel Arbeit hatten, wenn wir abends müde sind – vielleicht hatten wir auch bloss zuwenig Abenteuer.
Möglich wärs.


*) Dazu gibt’s auch einen lesenswerten Artikel auf Wissen.de – und zwar HIER!
Und das Foto habe ich diesmal nicht selbst geknipst – das ist von Mike Kotsch on Unsplash


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